Das stetige Objektivkarussell (u.a. Nikon 600/6.3 PF)

Heute möchte ich mal wieder ein paar Gedanken zu Objektiven teilen. Meine Fototasche hat sich im letzten halben Jahr nicht nur im UWW-Bereich geändert. Vor allem habe ich mich diesmal von Objektiven getrennt, die ich eigentlich ziemlich gut finde. Zuletzt erreichten mich dazu Fragen, auf die ich heute auch mal im Blog eingehen möchte.

  • Warum ich zuerst das Nikon Z 400/4.5 verkauft habe?
  • Warum ich auch noch das Nikon Z Plena 135 abgegeben habe?
  • Und zuletzt, warum ich nun auch ein Nikon Z 600 PF neben dem Z600 TC-S besitze?

Also starten wir mal der Reihe nach…

Nikon Z 400/4.5:

Dieses kleine 400er war einfach nur ein super Objektiv, ich berichtete ja damals u.a. in diesem Blogartikel über meine Eindrücke. Trotzdem verkaufte ich es vor einem halben Jahr.

 

Die Sache ist die: ich hatte mir das Objektiv insbesondere als Ergänzung zu meinem 600 TC-S gekauft, damit ich die 400mm einigermaßen lichtstark abdecken kann. Allerdings muss ich nach knapp anderthalb Jahren Nutzung feststellen, dass das 400mm einfach nicht so „mein“ Brennweitenbereich ist. Dafür fotografiere ich viel zu gerne Vögel und zu selten Säugetiere.

 

Die einzige Stelle, wo ich 400mm hätte gebrauchen können, war das Dovrefjell letztes und vorletztes Jahr, mit seinen großen Tieren. Doch das funktionierte in der Praxis, besser gesagt in der Kombination mit einem größeren Tele für mich auch nicht. Ich nahm es mehrfach zusätzlich zum 600er mit, aber in den wirklich guten Momenten konnte man nicht anfangen, Kamera bzw. Objektive zu wechseln und zwischen dem 400/4.5 und dem 600/4 TC zu switchen.

 

Die Momente waren dafür zu kurz und anschließend wäre wieder sofort ein Wechsel aufs größere Besteck erforderlich gewesen. Deshalb war es auch hier unbenutzt bzw. Christina hatte dann ab und zu damit fotografiert. Jedem der vorwiegend gerne Säugetiere fotografiert, würde ich direkt ein 400/2.8 empfehlen und nicht die Kombo von 2 unterschiedlichen Tele-Linsen.

 

Wenn es zum Einsatz kam, nutzte ich es eigentlich ausschließlich für Vögel auf 560mm während einiger Landschaftsfotografie-Touren.

Mein Fazit: das Objektiv war ultrascharf und Gewicht wie Stabi beeindruckend, jedoch passte es einfach nicht zu mir, auch wenn es neben der tollen Auflösung ein klasse Bokeh hatte. Wenn jemand wirklich 400mm benötigt, ist es in meinen Augen ein geniales Teil.

Nikon Plena 135:

Erst vor Kurzem verkaufte ich das „Plena“. Der Verkauf dieses Objektiv fiel mir noch schwerer als beim 400er. Wenn man die richtige Motive vor der Linse hat, liefert dieses ganz besondere Ergebnisse. Siehe auch mein damaliger Erfahrungsbericht.

 

Vor allem die Rundung der Unschärfekreise bis in die Ecken ist wirklich einzigartig am Vollformat. Doch ich trug das Objektiv zu oft unbenutzt mit mir. Auch Christina nutze es hier und da mal, aber für ein -ach-ich-nehm-es-mal-sicherheitshalber-mit-Objektiv war es mir zu schwer.

 

Früher habe ich doch um einiges häufiger Pflanzen fotografiert (dafür hatte ich es gekauft); ich merke aber im letzten Jahr, dass ich doch mittlerweile einen starken Fokus auf Landschaften, Vögel und Abstraktes habe und fast nur noch in diesen drei Teilbereichen der Naturfotografie unterwegs bin…

 

Daher entschieden wir gemeinsam, uns das Gewicht im Rucksack zu sparen. Eigentlich wollte ich auch noch die „Pflanzenmonate“ März bis Juni abwarten, allerdings habe ich die nächsten acht Wochen schon wieder so einen vollen „Vogelkalender“ mit unterschiedlichen Projekten, dass ich darauf verzichtet habe.

 

Jedem Portrait- oder Pflanzenfotograf würde ich es uneingeschränkt empfehlen, es ist wirklich ein tolles Stück Technik.

Nikon 600/6.3 PF

Dieser Kauf kam auch für mich absolut überraschend 😉 Vorweg: mir ist schon bewusst, dass es ein wenig grenzwertig ist, wenn man sich neben einem Z600/4 TC-S auch noch ein zweites 600er zulegt 😅

 

Als das Objektiv herauskam, habe ich den Einsatzbereich dieser Linse zunächst gar nicht verstanden und fand es wenig sinnvoll. Erstmals näher auseinander gesetzt habe ich mich damit, als ich das Review von Jan Wegener im Kontext der Vogelfotografie gesehen hatte, der ziemlich angetan war von dieser Linse…

Warum noch ein 600er?

Wer meinen Blog regelmäßig liest, weiß ja, dass wir uns oft der Landschaftsfotografie widmen, vor allem auf Reisen. Nun ist mir seit Verkauf des 400/4.5 wieder mehrfach aufgefallen, dass ich zwar so gut wie nie 400mm benötige, sich jedoch während der Landschaftsfoto-Sessions immer wieder Gelegenheiten ergaben, bei denen ich 600m oder 840mm hätte gebrauchen können.

 

Dabei ist es natürlich keine Option ein 600 TC-S mal „auf Verdacht“ auf Landschaftstour mitzunehmen - das kann ich nicht mal eben in einen „Landschaftsrucksack“ mit Weitwinkeln und Filtertasche etc. legen bzw. möchte ich es auch gewichtstechnisch nicht mitschleppen.

 

Das große 600er nutze ich zwar durchaus auch auf Reisen, dann sind das aber Orte bzw. Ausflüge, bei denen ich weiß, dass schwerpunktmäßig Wildlifefotografie erfolgt, wie etwa auf Island am Papageitaucherfelsen, bei den Seeschwalbenkolonien oder den Odinshühnchen. Oder es ergeben sich gute Gelegenheiten „am Straßenrand“ und ich schnappe mir kurzerhand das große Teil aus dem Case.

 

Mein „Pain“ tritt eher auf, wenn ich mit Landschaftsfokus und entspr. Ausrüstung los wandere und sich zufälligerweise gute Tele-Gelegenheiten ergeben. In Portugal zu Beginn des Jahres habe ich mich in den drei Wochen oft geärgert, etwa aufgrund von vielen Blauelster-Sichtungen und Begegnungen mit Sichlern und Wellenastrilden direkt am Landschaftsspot. Nebenbei hätte ich auch bei der Wellenfotografie deutlich mehr Brennweite als 400 benötigt.

 

Außerdem nervte mich das große Tele zuletzt auch bei freihand-Flugaufnahmen, gerade wenn man das länger als 30 Minuten an einer Stelle ausübt. Und auch bei „Scouting-Touren“ ist das TC-S zu groß.

 

So beschloss ich, das Thema also nochmal anzugehen. Anders als damals beim 400/4.5 suchte ich also kein Objektiv zur Brennweiten-Ergänzung meines großen Teles, sondern es sollte eine Alternative in Situationen sein, wo Gewicht und Abmessung des Z600/4 TC-S nicht praktikabel sind.

Die Suche nach Alternativen

Die Kern-Anforderung waren entsprechend: ein sehr leichtes Tele um die 600mm zu finden, mit einem möglichst kleinen Packmaß. Mit Konvertertauglichkeit hatte ich erstmal gar nicht gerechnet.

 

Tja, das Suchergebnis ist dann ziemlich begrenzt und ich entschied mich für das Z600/6.3 PF. Doch warum? Im Prinzip gibt es ja nur zwei Alternativen. Fangen wir mit dem Z180-600er zum Vergleich an.

 

Allein die Gewichtsdifferenz zu einem Nikon 180-600er ist höher als das Gesamtgewicht eines zusätzlichen Nikon Z 24-120ers. Und auch die Abmessungen des Zooms sind spürbar größer. Für mich war die Entscheidung daher schnell getroffen, zumal das 600er klar performanter auf 840mm sein soll wie ich zuvor schon mehrfach in Reviews gelesen hatte. Macht angesichts Zoom vs FB auch Sinn. Die Erkenntnis, dass ich den Zoombereich vor den 600mm nicht benötige, hatte ich ja schon mit dem 400er gewonnen, siehe ganz oben.

 

Kommen wir zur zweiten Alternative. Nun wäre ja für diesen Zweck wiederum das (zu diesem Zeitpunkt bereits seit einem halben Jahr  verkaufte) 400/4.5 geeignet - ich hätte es halt immer mit TC nutzen müssen.

 

Allerdings: ich habe das 600 PF nun schon mehrfach am Winteransitz und die letzten zwei Wochen auf Mallorca benutzt und komme doch auf vier wesentliche Vorteile gegenüber den 560mm des 400/4.5: 

  1. Bessere AF-Performance: dahingehend fand ich das 400/4.5 mit TC bei schwachem oder sagen wir besser  bei schönem und weichen Licht nur mittelmäßig; und den AF des 600er PF finde ich schneller – nicht auf Niveau meines großen 600ers, aber sehr flott. Irgendwo auch logisch, wir vergleichen hier ein Objektiv mit TC mit einem ohne TC.'
  2. Bessere Freistellung – auch wenn es nur 40mm Unterschied bei gleicher Blende sind. Siehe dazu bei Interesse dieses gute Vergleichs-Video von Steve Perry (Minute 16:20) und ich kann diese Eindrücke nur bestätigen, bei Steve ist es auch gut visualisiert. Trotzdem ist natürlich das Bokeh (und ich rede nicht von Freistellung aufgrund Blenden-Unterschiede) nicht mit einem 600 TC-S zu vergleichen, das möchte ich durchaus mal festhalten 🤫
  3. Praxistaugliche Einsetzbarkeit um die 800mm - das 400/4.5 war nach meinem persönlichen Anspruch mit 2x TC nicht mehr wirklich praxistauglich, vor allem wegen des AF bei weichem Licht. Das ist beim 600er PF mit 1,4er TC anders, ich gehe gleich nochmal näher darauf ein. Das heißt, effektiv stehen mir mit dem 600 PF ganze 240mm mehr zur Verfügung
  4. Eine extrem gute Schärfeleistung. Definitiv noch höher als beim 400er mit TC. Das merkt man auch mit TC am 600 PF – ich habe einige Fotos produziert, die so scharf sind, das kann auch mein großes 600 TC-S auf 840 nicht besser…
Links das Nikon Z 600/6.3 PF mit 1.4 TC, rechts das Nikon Z 600/4 TC-S
Links das Nikon Z 600/6.3 PF mit 1.4 TC, rechts das Nikon Z 600/4 TC-S

Überraschend gut mit Konverter

Auf den 3.Punkt möchte ich nochmal näher eingehen, denn das ist aktuell auf Mallorca eine Überraschung für mich. Eigentlich habe ich es  auf dieser Reise nur mitgenommen um es hier und da mal besser kennen zu lernen, doch ich nutze es weitaus öfter als geplant.

Wenn es um Konverter-Einsatz geht, bin ich immer sehr kritisch. Nach meiner Erfahrung können viele moderne Teleobjektive „unter Laborbedingungen“ sehr gute Ergebnisse mit Konverter produzieren, aber eben nicht unter „real-world-Bedingungen“, zum Beispiel freihand bei weichem Licht. Dahingehend war ich beim 600er PF wirklich beeindruckt. Es liefert bei 840mm -auch freihand- richtig richtig gut ab. Immer bedenken, es ist dann f/9 – das heißt bei einer UHU-Serie in der Abenddämmerung ist es das falsche Objektiv 😉

 

Alles über 1/100stel konnte ich aber aus der Hand sehr verlässlich auf 840mm umsetzen und das trifft für den überwiegenden Teil meiner Serien zu. Auf dem nachfolgenden Bild sieht man mal, wie wenig Platz das 600 PF im Rucksack am Rand in Anspruch nimmt, hier in einem F-Stop Tilopa mit XL-ICU (sorry, ist nur ein Handyshot):

Mein „Landschafts-Setup“
Mein „Landschafts-Setup“

Links das 600/6.3, mittig die Z8 am Z14-24er mit Adapterring, unten die Tasche mit allen Nisi-Filtern und Filterhalter. Rechts ein 10mm Laowa, darüber ein Z24-120er mit Adapterring und darüber eine Zubehörtasche, wo sich manchmal auch ein 28-400er o.ä. befindet.

Zwei Nachteile sind mir aufgefallen, wobei das Objektiv auch ohne diese Eigenschaften abliefert - jedoch könnte es in meinen Augen halt noch besser sein:

 

Zum einen finde ich den Bildstabi nicht so gut wie den Stabi meines großen 600 TC-S – gerade auf 840mm fällt das auf. Trotzdem konnte ich auch die Szenen im sanften Morgenlicht sauber umsetzen – es nervt mich mit TC einfach nur etwas beim Blick durch den Sucher, und vermutlich ist die Ausschussrate etwas höher.

 

Zum anderen kann ich nicht schnell zwischen den Brennweiten 600-840 switchen. Auch das ist natürlich bei meinem 600 TC-S durch den integrierten Konverter viel besser. Wenn man das seit gut zwei Jahren im Telebereich gewohnt ist, wirkt alles andere ziemlich unpraktisch. Dafür hätte ich auch etwas mehr Gewicht in Kauf genommen, dann wäre es aus meiner Sicht perfekt. Aber gut, vermutlich wird man das aus Gründen der Abmessung, des Gewichtes und des Preises nie bei Objektiven dieser Größenordnung einbauen, zumal der Preis ja ohnehin schon ordentlich ist für eine f6.3er Linse.

Mein Fazit

Alles in allem wirklich eine schöne Linse, die einfach Spaß macht. Fast schon zu viel Spaß 😅 – denn hier auf Mallorca habe ich momentan beide 600er dabei und das Kleine macht so viel Spaß und ist derart gut, dass ich zum Beispiel gerade eine ganze Schwarzkehlchen-Serie ausschließlich mit dem kleinen Teil auf 840mm fotografiert habe, da ich dazu oft freihand im Stehen agieren muss. Ich zeige sie in circa zwei Wochen, möchte nur einmal daheim am Eizo drüber schauen…

 

In dieser Brennweite gibt es mittlerweile einige performante 800er, aber mir ist keines mit diesen kleinen Abmessungen und bei 1690 g am Vollformat bekannt (hier habe ich den Konverter schon eingerechnet).

 

Hier mal ein Beispiel – schnell aus der Hand fotografiert, denn das Schwarzkehlchen sitzt meist nur wenige Sekunden an einem Fleck… ich finde, auch das Bokeh kann sich bei der Linse sehen lassen…

Nikon Z8, Z600PF, 1,4TC, 840mm, f/9, 1/1250 sec, Iso 6400
Nikon Z8, Z600PF, 1,4TC, 840mm, f/9, 1/1250 sec, Iso 6400

…und hier mal ein starker Ausschnitt daraus - wohl bemerkt bei mit Lightroom entrauschten Iso 6400, da ich auf Abflugaufnahmen aus war:

Auch aktuell, in unserer einmonatigen Elternzeit, wo Fotografie eher zur Nebensache wird – ist das Teil genau richtig, da ich es auch „nebenher“ und geringem Aufwand betreiben kann. Gewicht und Größe sind einfach genial für so viel Brennweite.

 

Das war es auch schon mit den News – nun wünsche ich euch einen guten Tag! Meinen nächsten Blogbericht mit der vollständigen Schwarzkehlchen-Serie gibt es dann Mitte April, wenn ich wieder in der Heimat bin…

 

Viele Grüße 👋

Thomas